Judas Iskariot – Teil 2: Woher wissen wir von Judas Iskariot?

Es gibt einige Mythen rings um Judas Iskariot. Wo man nicht viel weiß und eine Persönlichkeit besonders ist, wird viel ausgedacht. Doch was ist wahr und glaubwürdig? Das sollten wir anhand der Glaubwürdigkeit der Quellen entscheiden! Woher wissen wir von Judas Iskariot?

Woher wissen wir von Judas Iskariot?
Der Judaskuss, Fresko von Giotto di Bondone in der Cappella degli Scrovegni – 1304-1306, public domain

1. Die biblischen Quellen

Die meisten historischen Informationen über Judas Iskariot finden wir in der Bibel in den vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas & Johannes) & der Apostelgeschichte. Diese fünf neutestamentlichen Bücher sind alle von Augenzeugen (bzw. Augenzeugen waren Quelle der Informationen) im ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben worden, d.h. wenige Jahre nach dem historischen Leben von Judas Iskariot.

Damit bieten die biblischen Quellen die ältesten und glaubwürdigsten Informationen über Judas Iskariot! Es gibt keine hinreichende Begründung und Belege für eine Verfälschung von Informationen über ihn in diesen Quellen.

2. Das Judas-Evangelium

Vor einigen Jahren machte das sogenannte Judas-Evangelium großes Aufsehen. Manche „Experten“ meinten die Geschichte von Judas Iskariot (und damit auch die von Jesus Christus) müsste durch diese Schrift umgeschrieben werden. Doch was ist da wirklich dran?

Zunächst war die Vermutung, dass das Judasevangelium im 2. Jahrhundert n. Chr. in einer frühchristlich-gnostischen Sekte entstanden ist. Die Schrift sei zum ersten Mal von Irenäus von Lyon in Adversus haereses („Gegen die Irrlehren“ um 180) erwähnt worden (Adv. Haer. I 31,1) und schon von ihm deutlich abgelehnt.

Irenäus schreibt, dass die Gnostiker behaupten würden, Judas habe in Wahrheit als einziger Jünger die wahre Bestimmung Jesu erkannt. Jesus selbst habe Judas, um den Verrat gebeten – um sich von seiner körperlichen Hülle befreien und seinen Daseinszweck erfüllen zu können.

„Du wirst sie alle übertreffen. Denn du wirst den Menschen opfern, der mich kleidet.“

Dies sagt Jesus nach Angaben der National Geographic Society in der wichtigsten Passage des Manuskripts.

Diese Deutung des Judas passt gut in das Gedankengebäude der Gnostiker. Sie glaubten, dass Jesus Gott war, der sich durch die Schein-Kreuzigung seiner menschlichen Hülle entledigt habe. Doch inzwischen ist diese Deutung des Judas-Evangeliums zu hinterfragen:

Deren Gültigkeit ist inzwischen heftig umstritten [5][6] und eine neuere Übersetzung durch Dr. April DeConick (2007: „The Thirteenth Apostle: What the Gospel of Judas Really Says“) besagt, dass Judas im Judas-Evangelium keineswegs als Freund Jesu beschrieben würde, sondern in Wahrheit als ein Dämon. Die ursprüngliche Deutung durch National Geographic beruht laut DeConick eindeutig auf Übersetzungsfehlern.

Erste Seite des Judasevangeliums (Seite 33 im Codex Tchacos), wikipedia , public domain

Wie auch immer das Judas-Evangelium zu verstehen ist – es ist und bleibt eine apokryphe Schrift! Wie wahr kann eine Schrift sein, die mehr als hundert Jahre nach dem Leben von Judas Iskariot geschrieben wurde? Entweder ist sie ein Ausdruck einer christlich-gnostischen Sekte oder aber eine Bestätigung der Evangelienberichte.

„Ob sie nun den Judas aus dem gleichnamigen Evangelium als Helden oder als Dämon sehen — keiner der Wissenschaftler, die den Text untersuchten, ist der Meinung, dass er genaue historische Informationen enthält. Bart Ehrman [Kenner des frühen Christentums und des Gnostizismus] erklärt: „Es ist kein von Judas verfasstes Evangelium, noch erhebt es Anspruch darauf. . . . Dieses Evangelium wurde nicht zu Lebzeiten des Judas geschrieben und auch nicht von jemandem, der ihn wirklich kannte . . . Dieses Buch wird uns also keine zusätzlichen Erkenntnisse darüber liefern, was zur Zeit Jesu geschah“.

3. Woher wissen wir von Judas Iskariot?

Es gibt viele andere alte und neue Bücher, die weitere Informationen über Judas Iskariot versprechen. Sie sind sicher spannend zu lesen. Doch woher haben diese Menschen ihre neuen Informationen hunderte oder tausende Jahre später?

Andere versuchen die vorhandenen Informationen anders zu interpretieren. Zum Beispiel rekonstruiert Martin Meiser in seinem Werk „Judas Iskariot: Einer von uns“ die historischen Tatsachen neu. Was kommt Neues dabei heraus? Mit unserer aktuellen Deutungsbrille enthalten die Texte auf einmal problematische antijüdische Züge und andere aktuelle akute Nöte wie Freitod und Männerprobleme…

Eine Deutung der Informationen aus dem Neuen Testament ist ja legitim, aber nicht durch erfundene Tatsachen oder unberechtigte Literarkritik. Leider wird Judas Iskariot aber gerne für die eigene Ideologie instrumentalisiert.

Aufgrund der Quellenlage sollten wir uns auf die biblischen Berichte über Judas Iskariot fixieren. Sie sind glaubwürdige Primärquellen, die allen anderen angeblich neuen Informationen und Interpretationen vorzuziehen sind.

Weiterführende Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Judasevangelium

Spiegel-Artikel „Wirbel um Judas-Evangelium“, 06.04.2006, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,410159,00.html

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6 Antworten

  1. Hallo
    ich war so frei und habe den Text auf meiner Internetseite veröffentlicht.
    Ich hoffe das dies ok ist
    Gruß
    Peter

  1. 9. April 2019

    […] wissen wir über Judas Iskariot? Was verraten uns die glaubwürdigen Quellen über ihn? Wichtig ist was drin steht – und was […]

  2. 11. April 2019

    […] Woher wissen wir von Judas Iskariot? […]

  3. 17. April 2019

    […] Theorie, die auf dem Judas-Evangelium basiert,  ist eine gnostische Interpretation des ganzen Geschehens. Mittlerweile wird aber bezweifelt, […]

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